Linkenheim-Hochstetten
Landkreis Karlsruhe
(Baden-Württemberg)

 

Unsere Heimat war schon in der Jungsteinzeit besiedelt. Zeugnis hiervon gibt der 12 Kilometer südöstlich der Gemeinde befindliche, 269 Meter hohe Michaelsberg bei Untergrombach, der einer ganzen steinzeitlichen Kulturepoche zum Namen verhalf. Etwa 4000 vor Chr. befand sich dort ein mit Palisadenzaun und Graben befestigtes Dorf, wie wiederholte archäologische Untersuchungen ergaben. 

Auch auf der Gemarkung von Linkenheim-Hochstetten deuten Funde aus der Steinzeit, der Bronzezeit, sowie der Kelten- und Römerzeit auf die Anwesenheit von Menschen hin. Die ersten Spuren dauerhafter menschlicher Ansiedlungen wurden um das Jahr 1900 am nördlichen Ortsrand von Hochstetten entdeckt. Im Gewann „Straßenäcker“ fand man die Überreste kleiner Bauwerke aus der Römerzeit. Sie waren offensichtlich aus Holz gebaut, hatten Ziegeldächer und enthielten Fundstücke, die auf eine Nutzung der Gebäude vom ersten bis ins vierte nachchristliche Jahrhundert schließen lassen. Welchen Zweck diese kleine Siedlung so lange Zeit hindurch einmal diente, ist unklar. Wahrscheinlich wurde Sie in der Völkerwanderungszeit endgültig aufgegeben.

Von den beiden Ortsteilen unserer Gemeinde ist Linkenheim der ältere. Es wird angenommen, dass Linkenheim in der Zeit der fränkischen Landnahme (zwischen 500 und 600 n. Chr.) entstand, und dass Hochstetten später als eine Art „Aussiedlerhof“ von Linkenheim her auf dessen Gemarkung gegründet wurde.



Linkenheim:


Die erste schriftliche Erwähnung Linkenheims findet sich in einer Urkunde des Jahres 777, in der Regierungszeit Karls des Großen, im Kodex des Klosters Lorsch. Die Lebensgrundlagen des Ortes waren Ackerbau und Fischfang, wahrscheinlich auch Schifffahrt und Fährdienst über den Rhein. Im ältesten Siegel des Dorfes sind die Symbole dieser Erwerbsbereiche zusammengefasst: Pflugschar, Ruder und Schifferstange. Um das Jahr 1000 wurde die erste Kirche gebaut. Neben der Rheinstraße trat als zweite Dorfstraße die Hauptstraße, die heutige Karlsruher Straße.

Verschiedene Herrschaften hatten das ganze Mittelalter hindurch Besitzungen und Rechte in in Linkenheim, verpfändeten und vererbten sie, kauften und verkauften sie wieder, so dass ein dauernder Wechsel der politischen Verhältnisse herrschte. Ab dem 13. Jahrhundert begann sich er Einfluss der Markgrafen von Baden immer mehr durchzusetzen, und bald teilte das Dorf die wechselhafte Geschichte der badischen Markgrafschaft.

Bis 1620 floss der Hauptsstrom des Rheins direkt am Fuße des Hochufers unterhalb der Rheinstraße entlang. Wertvolle Gemarkungsteile waren ständig von Hochwasser bedroht. Der entscheidende Schritt wurde 1773 mit dem Bau eines Hochwasserschutzdammes getan, der den Rheinstrom endgültig aus der unmittelbaren Ortsnähe verbannen sollte. Der viele Jahre dauernde Prozess der Trockenlegung des gesamten Linkenheimer Dammfeldes begann. Doch wurden die wirtschaftlichen Verhältnisse in dem rasch wachsenden Dorf durch die damals noch übliche Allmendnutzung stark eingeengt.

Viele Menschen verließen den Heimatort und wanderten aus, hauptsächlich nach Amerika. Im ausgehenden 19. Jahrhundert entwickelte die Gemeinde dann eine rege Bautätigkeit. 1877 wurde die evangelische Kirche fertig gestellt, ein neues Rathaus wurde zusammen mit einem Schulhaus im Jahr 1890 errichtet. Schon 1911 musste man ein weiteres Schulhaus bauen, da das alte für die damals 400 Schulkinder zu klein war. Die Einwohnerzahl hatte gerade die Zweitausendergrenze überschritten.

Dem Ersten wie dem Zweiten Weltkrieg fielen zahlreiche Linkenheimer zum Opfer. Auch die Zeit zwischen den Kriegen war hauptsächlich von Not geprägt. 1939 hatte Linkenheim 2421 Einwohner. Nach 1945 musste eine große Anzahl Heimatvertriebener aufgenommen werden. Seit 1952 gab es für Linkenheim und Hochstetten einen Zweckverband Wasserversorgung und 1969 folgte für beide Gemeinden ein Zweckverband Abwasser. Nachdem man schon 1949 mit der planmäßigen Erschließung neuer Baugebiete begann, wurde die Nachfrage nach Bauland in der Gemeinde immer drängender. Große neue Ortsteile entstanden und machten den Bau weiterer Kindergärten und eines modernen Schulzentrums mit großzügigen Sportanlagen notwendig. Die Infrastruktur war bereit für den kommenden Gemeindezusammenschluss.

 

      Das Rathaus von Linkenheim-Hochstetten

Evangelische Kirche in Linkenheim        

Hochstetten:


Drei Urkunden aus den Jahren 1103, 1213 und 1248 belegen die Existenz des Dorfes Hochstetten im Mittelalter. Die politische Entwicklung  Hochstettens in der ersten Hälfte des zweiten Jahrtausends verlief vergleichbar mit der Linkenheims.

Verschiedene Herrschaften hatten wechselweise Rechte und Besitzungen an Hochstetten. Schließlich traten die Markgrafen von Baden auf. Im Jahre 1588 konnte Markgraf Ernst Friedrich das Patronatsrecht über die Hochstettener Kirche und sämtliche Zehnten zu Hochstetten samt dem Widumsgut (Pfarrgut) erwerben. Hochstetten war damit „badisch“ geworden. Jahrhunderte hindurch musste man bei der Abwicklung von Rechtsgeschäften die Gemeinde Linkenheim um deren Besiegelung bitten, da Hochstetten selbst kein eigenes Siegel besaß. Mit den Nachbargemeinden Liedolsheim und Dettenheim gab es öfters Streit, hauptsächlich wegen des in jener Zeit so wichtigen Weiderechts.

Auch der „Rheinbau“ gab Jahrhunderte lang Anlass zu Streitigkeiten mit den Nachbardörfern diesseits und jenseits des Rheins. Hochstetten scheint auf diesem Gebiet zusammen mit Linkenheim gemeinsame Sache gemacht zu haben. Erst die Rheinkorrektur Tullas im 19. Jahrhundert hat endgültig Abhilfe geschaffen. Ob und wie sehr Hochstetten und seine Bevölkerung unter des Wirren des 30jährigen Krieges zu leiden hatte, wissen wir heute aus schriftlichen Quellen nicht mehr. Belegt sind hingegen die Schäden, die Verwüstungen und Bevölkerungseinbußen, welche die Generäle Ludwigs XIV. Ende des 17. Jahrhunderts im Ort anrichteten.

Um 1690 zählte Hochstetten noch 12 Bürger. Familienangehörige, Knechte und Mägde mitgerechnet kann somit auf eine Einwohnerzahl geschlossen werden, die zwischen 50 und 100 liegen dürfte. Von der Mitte des 18. Jahrhunderts an lässt sich eine konstant zunehmende Bevölkerungsentwicklung feststellen. Im Jahr 1814 werden dem Oberamt 361 Einwohner gemeldet. 1857 waren es bereits 552, und die Zahl stieg stetig weiter.

Vor 1914 war der Ort im Bezug auf den Spargelanbau weithin bekannt. Die Nähe zur Stadt Karlsruhe veranlasste die hiesigen Bauern schon früh, sich auf den Anbau von Gemüse zu spezialisieren. So bildete lange Zeit der Spargel- und Gemüseanbau für viele Bewohner die wichtigste Einnahmequelle. Begünstigt durch die Bodenverhältnisse fand auch der Tabakanbau frühzeitig Eingang.

Die beiden Weltkriege forderten auch von Hochstetten ihre Opfer. Nach 1945 fanden 340 Heimatvertriebene in hier eine neue Heimat. Die folgende Zeit war gekennzeichnet einerseits durch den Wiederaufbau, andererseits durch die Wandlung des einstigen Bauerndorfes zur Wohngemeinde.

     Die Kirche in Hochstetten

Hauptstraße in Hochstetten    


Linkenheim-Hochstetten:


Die Gemeinde liegt 17 Kilometer nördlich des Karlsruher Stadtzentrums. Der Zusammenschluss der beiden Teilgemeinden erfolgte am 1. Januar 1975.

Weil die Nachfrage nach Bauland weiterhin ungebremst war, wurden in der Folgezeit weitere Neubaugebiete erschlossen, u.a. die Baugebiete „Mittelpfad" und zuletzt "Langer Berg“. Damit sind beide Gemeindeteile nunmehr vollständig zusammengewachsen. 1982 wurde die Sanierung des Ortskerns Linkenheim eingeleitet.

Ein besonderes Anliegen war es, die Bundesstraße 36 aus dem Ortskern herauszunehmen und auf einer Umgehung an Linkenheim-Hochstetten vorbeizuführen. 1987 wurde der Teilabschnitt auf der gesamten Länge der Gemarkung dem Verkehr übergeben. Dies machte den Weg frei für die Hardtbahn, die seit 1989 mit der Linie S1/S11 mitten durch Linkenheim bis zur Endhaltestelle Hochstetten fährt. Mit ihr gelangt man in einer guten halben Stunde ins Zentrum von Karlsruhe.

1956 wurde das Kernforschungszentrum Karlsruhe gegründet, das sich später nur noch Forschungszentrum nannte. Es befand sich aber nicht in Karlsruhe, sondern teils auf Eggenstein-Leopoldshafener, teils auf Linkenheimer Gemarkung. Im Jahr 2009 fusionierte es mit der traditionsreichen Karlsruher Universität, gegründet 1825, und bekam einen neuen Namen: Karlsruher Institut für Technologie, kurz: KIT. Die beiden getrennten Standorte des KIT werden offiziell als Campus Süd (ehemals Universität) und Campus Nord (ehemals Forschungszentrum) bezeichnet. Das KIT ist Arbeitsstätte für zahlreiche Einwohner des Ortes. Auch mehrere hundert Gastwissenschaftler aus aller Welt, die dort für eine begrenzte Zeit tätig sind, wohnen während dessen unter uns und verleihen Linkenheim-Hochstetten so etwas wie einen kosmopolitischen Hauch.

Die Erweiterung des Rathauses mit Bürgerhaus wurde 1988 fertig gestellt. Erster Bürgermeister nach dem Zusammenschluss war Waldemar Schütz bis zu seinem freiwilligen Ausscheiden im Jahr 1991. Nachfolger war Günther Johs für drei Amtszeiten (24 Jahre). Seit 2015 ist der Diplom-Verwaltungswirt Michael Möslang Bürgermeister von Linkenheim-Hochstetten.

Das Gemeindewappen zeigt ein Ruder und eine Schifferstange gekreuzt in der Farbe goldgelb vor blauem Hintergrund in ebenso goldgelben Rahmen. Es symbolisiert die Nähe zum Rhein und dessen einstige Bedeutung für den Fischfang und die Flussschifffahrt.

In Linkenheim-Hochstetten waren am 1.6.2018 genau 12.187 Einwohner gemeldet.

Es bestehen Partnerschaften mit den Gemeinden Jarny-sur-Meuse (Frankreich) und Gröditz in Sachsen.

      Idyll auf der Insel Rott


Einen großen Teil der vorstehenden Angaben habe ich einer Broschüre entnommen, welche die Gemeinde zusammen mit dem Bund der Selbständigen herausgegeben hat. Der Text stammt von Manfred König, Realschulrektor i.R., Freundeskreis Heimatgeschichte. 

Ich bin selbst weder gebürtiger Linkenheimer, noch gebürtiger Hochstetter. Der berufliche Werdegang führte mich 1978 nach Karlsruhe. Seitdem wohne ich in Linkenheim-Hochstetten. Ich wohne gerne hier und werde wohl noch ein paar Jahre hier bleiben.

Reinhard Bieler


Diese Webseite wurde erstellt im April 1999; letzte Änderung: 5. Februar 2019.

Wenn Sie noch mehr über Linkenheim-Hochstetten wissen wollen, hier ist der Link zur offiziellen Homepage der Gemeindeverwaltung:

http://linkenheim-hochstetten.de

> zurück zur Hauptseite